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Strategischer Einkauf als Werttreiber im Krankenhaus

Geschrieben von Sebastian Köhler | Feb 9, 2026 12:59:14 PM

Warum strategische Beschaffung heute über Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit im Krankenhaus entscheidet

In der modernen Krankenhauslandschaft ist der Handlungsdruck so hoch wie nie zuvor. Kliniken bewegen sich in einem massiven Spannungsfeld: Einerseits zwingen steigende Sachkosten, der eklatante Fachkräftemangel und die strikten Vorgaben des DRG-Systems zu maximaler Wirtschaftlichkeit. Andererseits steigen die Anforderungen an Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Versorgungssicherheit kontinuierlich.

Während in der öffentlichen Debatte häufig über Personaluntergrenzen oder Bettenkapazitäten gesprochen wird, bleibt ein zentraler Hebel zur Sicherung der Klinik-Existenz oft unterbelichtet: der strategische Einkauf im Krankenhaus.

Dabei ist der Einkauf längst kein reiner Kostenfaktor mehr. Er entwickelt sich zunehmend zum strategischen Rückgrat moderner Krankenhausorganisationen. Ob ein Haus in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt, Versorgungsengpässe meistert und wirtschaftlich stabil bleibt, hängt heute maßgeblich von der Qualität des Beschaffungsmanagements und der zugrunde liegenden Datenbasis ab.

Ein moderner, datengetriebener Klinikeinkauf wird damit zum Kernbaustein jeder Strategie für Effizienz, Resilienz und Qualität – und zu einem entscheidenden Faktor für zukunftsfähige Krankenhauslogistik.

Die ökonomische Hebelwirkung: Krankenhausbeschaffung als Milliardenmarkt

Die schiere Größe des Einkaufsvolumens verdeutlicht, warum strategischer Einkauf im Krankenhaus Chefsache sein muss. In deutschen Krankenhäusern machen die Sachkosten durchschnittlich rund 39 % der Gesamtkosten aus. Das entspricht einem jährlichen Volumen von etwa 50 Mrd. Euro. Knapp die Hälfte davon entfällt direkt auf medizinischen Bedarf wie Arzneimittel und Medizinprodukte (KBV, 2022).

Rund 40 % der Krankenhauskosten sind Sachkosten. Jede Prozentpunkt-Verbesserung im Einkauf wirkt direkt auf das Betriebsergebnis.

Diese Dimension macht deutlich: Jede Verbesserung im Beschaffungsmanagement, sei es durch bessere Einkaufskonditionen, intelligente Standardisierung oder effizientere Logistikprozesse, schlägt unmittelbar und messbar auf das Ergebnis durch. Gerade in einem Umfeld, in dem viele Kliniken um wirtschaftliche Stabilität kämpfen, wird der strategische Einkauf zum entscheidenden Hebel.

Im Vergleich zu personalbezogenen Maßnahmen lassen sich Optimierungen im Einkauf und in der Krankenhauslogistik häufig schneller, skalierbarer und mit geringerem Widerstand realisieren.

Regionale Zahlen bestätigen die Relevanz des strategischen Einkaufs

Auch der regionale Blick unterstreicht die Bedeutung: In Nordrhein-Westfalen beliefen sich die Sachkosten der Krankenhäuser 2022 auf 11,7 Mrd. Euro bei Gesamtkosten von 31,4 Mrd. Euro. Ein Anteil von 37,1 % (IT.NRW).

Bundesweit mussten rund 1.700 Krankenhäuser bereits 2021 etwa 125 Mrd. Euro für Personal- und Sachkosten aufbringen. Rund ein Drittel davon entfiel unmittelbar auf Betriebsausstattung und Sachmittel (Statista).

Damit wird klar: Wer über Wirtschaftlichkeit, Liquidität und Investitionsspielräume im Krankenhaus spricht, muss über strategischen Klinikeinkauf sprechen. Er ist kein Verwaltungsthema, sondern ein zentraler Werttreiber der Krankenhausökonomie und ein wesentlicher Baustein moderner Krankenhauslogistik.

Nachgewiesene Einsparpotenziale durch strategisches Beschaffungsmanagement

Dass ein strategischer Ansatz im Einkauf messbare Effekte erzielt, ist gut belegt. Der Wechsel von reaktiver Beschaffung hin zu systematischem Warengruppenmanagement ist keine theoretische Übung, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.

  • Bündelungseffekte: Laut Roland Berger konnten deutsche Kliniken durch Einkaufsgemeinschaften bereits rund 4 Mrd. Euro Sachkosten im Vergleich zu anderen europäischen Märkten einsparen.
  • Strukturvorteile: Kliniken mit professionellem, strategischem Einkauf realisieren typischerweise 15–20 % Einsparpotenzial gegenüber administrativ geprägten Strukturen (healthcare-in-europe.com).

Der BME/KOINNO-Leitfaden „Strategischer Einkauf im Krankenhaus“ zeigt zudem: Ein strategisch aufgesetztes Beschaffungsmanagement senkt nicht nur Preise, sondern verbessert das gesamte Working Capital durch:

  • geringere Lagerbestände
  • weniger Schwund und Verfall
  • weniger Prozessbrüche zwischen Station, Logistik und Einkauf

Strategischer Einkauf wirkt damit doppelt: auf Kostenstruktur und Prozessqualität entlang der gesamten Krankenhaus-Supply-Chain.

Paradigmenwechsel: Vom Bestellwesen zum Value-based Procurement

Historisch wurde der Einkauf im Krankenhaus häufig als „Bestellbüro“ verstanden. Heute entwickelt er sich zum Wertschöpfungspartner und Mitgestalter der Versorgungsqualität. Dieser Wandel umfasst:

  • Warengruppen-Strategien: Steuerung ganzer Produktgruppen statt Einzelbestellungen
  • Professionelles Lieferantenmanagement: Bewertung nach Qualität, Service, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit
  • Digitalisierung & eProcurement: Transparenz über den gesamten Beschaffungszyklus – von der Bedarfserfassung bis zur Abrechnung

International spricht man in diesem Kontext von Strategic bzw. Value-based Procurement. Die WHO beschreibt diesen Ansatz als datenbasierte Allokation von Mitteln zur gleichzeitigen Verbesserung von Effizienz, Qualität und Versorgungsgerechtigkeit. Studien (WJARR, 2025) zeigen: Kliniken mit strategischem Einkauf senken Kosten signifikant, ohne Qualitätsverluste – häufig steigt die Versorgungsqualität sogar durch Standardisierung hochwertiger Produkte.

Value-based Procurement macht aus der Frage „Was kostet das Produkt?“ die Frage „Welchen Wert schafft diese Lösung für Patienten, Personal und Klinik?“

Nachhaltigkeit und Resilienz als strategische Zielgrößen

Ein Krankenhaus der Maximalversorgung nutzt bis zu 40.000 verschiedene Medizinprodukte (BVMed). Damit trägt der Einkauf eine enorme Verantwortung über Kosten hinaus.

  • Lieferketten-Resilienz: Mehrquellenstrategien, Sicherheitsbestände und vorausschauendes Vertragsmanagement sichern die Versorgung
  • Nachhaltigkeit: Der Einkauf beeinflusst CO₂-Fußabdruck, Abfallmengen und soziale Standards maßgeblich (GHX)

Strategischer Einkauf im Krankenhaus verbindet damit Kostensteuerung, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu einem integrierten Beschaffungsmanagement – und wird zum Wettbewerbsfaktor für Personalgewinnung, Image und Zukunftsfähigkeit.

Die zentrale Hürde: Fehlende Verbrauchsdaten

Trotz der klaren Vorteile scheitert strategischer Einkauf in der Praxis häufig an der Datenbasis. Entscheidungen beruhen oft auf:

  • aggregierten ERP-Bestelldaten
  • manuellen Listen oder Schätzungen
  • zeitverzögerten Reports, die operative Umwege nicht abbilden

Diese Daten spiegeln nicht den realen Verbrauch auf Station wider. Ohne feingranulare, aktuelle Verbrauchsdaten bleibt der Einkauf reaktiv – statt strategisch.

Strategischer Einkauf braucht belastbare Daten direkt vom Point of Care.

MOYAFLOW: Der Enabler für strategischen Einkauf und moderne Krankenhauslogistik

Genau hier setzt MOYAFLOW an. Als digitale Lösung für Krankenhauslogistik und Beschaffungsmanagement digitalisiert MOYAFLOW die Materialnachbestellung direkt auf der Station – dort, wo Verbrauch tatsächlich entsteht. Wie MOYAFLOW den strategischen Einkauf ermöglicht:

  • Echtzeit-Verbrauchsdaten: Statt Bestellmengen sieht der Einkauf reale Verbräuche – transparent, stationsgenau und aktuell
  • Faktenbasierte Standardisierung: Variantenvielfalt wird sichtbar und datenbasiert reduzierbar
  • Optimiertes Working Capital: Sicherheitsbestände lassen sich reduzieren, ohne die Versorgung zu gefährden
  • Entlastung der Pflege: Automatisierte Logistikprozesse reduzieren administrative Schattenlogistik

Die Verbrauchsdaten fließen in das MOYAFLOW-Dashboard und stehen Einkauf, Controlling und Geschäftsführung als präzise Entscheidungsgrundlage zur Verfügung – deutlich genauer als klassische Methoden der Bedarfsermittlung. So wird MOYAFLOW zur operativen Basis für einen wirklich strategischen Einkauf im Krankenhaus und macht digitale Krankenhauslogistik zu einem zentralen Baustein der Gesamtstrategie.

MOYAFLOW macht aus verstreuten Bestellvorgängen eine durchgängige Datenbasis – und aus dem Einkauf einen proaktiven Werttreiber.

Fazit: Wer strategisch führen will, muss messen

Strategischer Einkauf ist einer der wirkungsvollsten Hebel für wirtschaftlich gesunde, resiliente und zukunftsfähige Krankenhäuser. Doch ohne präzise Verbrauchsdaten bleibt er Stückwerk. Digitale Lösungen wie MOYAFLOW schaffen die notwendige Transparenz, um den Einkauf vom reaktiven Engpasslöser zum aktiven Gestalter zu entwickeln.

Zukunftssichere Krankenhauslogistik beginnt nicht im Lager, sondern bei der intelligenten Datenerfassung auf Station.

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